Ebrahim M. Samba
Gambia
Balzan Preis 1992 für Präventivmedizin
Für seine Führungsrolle im Kampf gegen die Onchozerkose (Flussblindheit) in Westafrika. Im Rahmen der Weltgesundheitsorganisation leitete er erfolgreich das Programm der Onchozerkosenbekämpfung, dank dessen Hunderttausende von Menschenleben vor einer zur Erblindung führenden Krankheit bewahrt werden konnten. Diesem Programm ist zudem zu verdanken, dass weite Landgebiete wieder bevölkert wurden und sich deshalb die sozio-ökonomische Lage der Teilnehmerländer wesentlich verbesserte.
Dr. Ebrahim M. Samba ist seit 1980 Direktor des “Onchocerciasis Control Programme” (OCP) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Westafrika. Das Programm wurde 1974 begonnen, unter enthusiastischer Mitwirkung von Ebrahim M. Samba, der damals sein Land, Gambia, bei der Weltgesundheitsorganisation vertrat.
Die Onchozerkose (auch Flussblindheit genannt) wird durch einen Fadenwurm (Onchocerca volvulus) hervorgerufen. Sie wird von blutsaugenden Kriebelmücken (Simulium damnosum) übertragen, deren Larven sich in gut durchlüfteten, rasch fliessenden Wasserläufen entwickeln. In den von Kriebelmücken infizierten Menschen entwickeln sich geschlechtsreife Würmer, die sich in der Haut einnisten und Knoten bilden. Diese Makrofilarien sind nicht eierlegend, sondern produzieren lebende nur durch das Mikroskop erkennbare Mikrofilarien, die an der menschlichen Haut zirkulieren. Aus noch nicht abgeklärten Gründen können sie auch in die Augen gelangen und dort schweren Schaden anrichten. Beim nächsten Stich gelangen die Mikrofilarien wieder in die Kriebelmücke, worauf der Kreislauf von neuem beginnt.
Die Onchozerkose führt zu einer stark invalidisierenden Krankheit, die teils mit Erblindung einhergeht. Millionen von Westafrikanern litten an dieser Krankheit, Sie hatte auch enorme sozio-ökonomische Folgen, indem weite fruchtbare Landstriche von den Bewohnern verlassen wurden.
Bereits in den 50er und 6Oer Jahren begannen sich französische und britische Forscher der Bekämpfung dieser Krankheit zu widmen. Das Hauptverdienst von Samba und seinem Team besteht darin, dass es ihnen gelang, wissenschaftliche Erkenntnisse effizient in ein öffentliches Gesundheitsprogramm zu übertragen und dieses weiter zu entwickeln. Durch das Programm konnten hunderttausende von Menschen vor dieser invalidisierenden Krankheit geschützt werden. Die erfolgreiche Bekämpfung der Kriebelmücke durch Anwendung verschiedener Insektizide hat die Obertragung der Onchozerkose in fast allen OCP Teilnehmerländern gebannt. In jenen Gebieten, wo die Bekämpfung der Kriebelmücke noch nicht ausreichend Fuss gefasst hat, wird ein für die Massenbehandlung geeignetes Medikament verabreicht, das die Mikrofilarien grossenteils abtötet. Das Medikament lindert die Leiden infizierter Menschen und bewahrt sie auch vor Erblindung. Ferner ist ein aussichtsreiches Makrofilarizid in Entwicklung.
Im speziellen sind Samba und seinem Team folgende Verdienste zuzuschreiben:
- es ist ihnen gelungen, das Programm-Areal um ungefähr 50% auszudehnen, um somit auch dem Problem der Re-Invasion von Kriebelmücken aus ferner liegenden Brutplatzen entgegenzuwirken;
- das Mikrofilarizid Mectizan wurde von ihnen genau geprüft urid in grossem Masstabe erfolgreich eingesetzt;
- sie nahmen aktiv an der Entwicklung des Makrofilarizids Amocarzin teil;
- es gelang ihnen ein entscheidender Fortschritt in der Entwicklung eines feldtauglichen immundiagnostischen Tests;
- sie trugen in bedeutendem Ausmass dazu bei, dass die Onchozerkose-Bekämpfung auch in den bestehenden Gesundheitsdienst der elf Teilnehmerländer eingebaut wird.
Ebrahim M. Samba ist nicht nur ein ausgezeichneter Teamleiter, sondern wird auch von seinen Mitarbeitern, den nationalen Verbindungspersonen und den Ortsansässigen aufs äusserste respektiert.

(1992)
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