Ronald Dworkin
USA
Balzan Preis 2012 für Theorie und Philosophie des Rechts
Für seine grundlegenden Beiträge zur Rechtstheorie, die sich auszeichnen durch profunde Analyse, originelle Fragestellungen und Klarheit der Argumentation und die aus der produktiven Wechselwirkung mit politischen und ethischen Theorien sowie der Rechtspraxis hervorgehen.
Ronald Dworkin (*1931–†2013) hat sich in über dreißig Jahren einen Spitzenplatz unter den lebenden Rechtsphilosophen erobert. Sein Buch aus dem Jahr 1977, Taking Rights Seriously (dt. Bürgerrechte ernstgenommen, 1984), eröffnete eine neue Sichtweise auf einige der klassischen Themen der Philosophie und Theorie des Rechts, die Dworkin in tiefschürfenden Analysen bearbeitet, wie das Verhältnis von Regeln und Rechtsprinzip und die Rolle des Richters im normativen Kontext sowie im Hinblick auf die Grundlagen der Verfassung. In einer eindrucksvollen Folge von Untersuchungen, die in mehr als 10 Bänden ihren Niederschlag fanden, hat Dworkin den Kreis seiner Reflexionen immer mehr erweitert und, ausgehend von der Welt des Rechts, die grundlegenden Verbindungen mit Moralphilosophie und politischer Philosophie ins Auge gefasst und dabei eine Vielzahl von Bezügen verfolgt, die sich mit einigen der Klassiker der alten und modernen Philosophie und Theorie des Rechts verbinden. Unter den hauptsächlich behandelten Themen soll es genügen, die Beziehung zwischen Gleichheit und Freiheit hervorzuheben (Freedom’s Law, 1996, Sovereign Virtue, 2000 [dt. Was ist Gleichheit?, 2011]), die problematischen Aspekte der amerikanischen Demokratie und die Wege ihrer möglichen Überwindung, sowie jüngst das Problem der Grundlegung der Werte und ihrer Vereinbarkeit, die Dworkin in einer umfangreichen und originellen Monographie diskutiert, mit der er sich vielen der gegenwärtigen Strömungen der Rechtsphilosophie entgegensetzt: Justice for Hedgehogs, 2011 (dt. Gerechtigkeit für Igel, 2011). Dworkin erreicht seine Ergebnisse durch eine kritische, historisch-konstruktive Analyse und Synthese der alten und modernen Theorien über Werte, die virtuos durch Erörterung ihrer grundlegenden Komplementarität erreicht wird. “Menschenwürde” als Wert steht sowohl bei der Sorge um “gleichwertige Beachtung” als auch dem Grundsatz der “persönlichen Verantwortung”, den beiden Säulen von Dworkins Konzept rechtsstaatlicher Werte, im Mittelpunkt. Unter diesem Gesichtspunkt entwickelt er eine originelle Theorie der Beziehung zwischen Gleichheit und Freiheit, ein klassisches Problemfeld rechtsstaatlicher Ethik. Die unauflösliche Verbindung von Recht und Moral gilt für Dworkin auch für die wesentlichen Aspekte der konkreten Rechtsprechung. Zugleich ist in den Schriften Dworkins die ständige Wechselbeziehung zwischen theoretischer Reflexion und vertiefter Erörterung konkreter Einzelfälle, insbesondere solcher, die der “Supreme Court” der USA entschieden hat, ein Terrain, auf dem er in vielen seiner Schriften zu glänzenden Einsichten gelangt ist. Dies ist einer der Gründe der Faszination und der Zustimmung die Dworkins Denken gefunden hat, in dem der praktische Jurist, der Dworkin in seinen Anfängen war, mit anderen Juristen in einen Dialog über die Grundprinzipien des Rechts tritt. In seinen Synthesen, die sich an ein breiteres Publikum richten, zum Beispiel in Law’s Empire, 1986, aber nicht weniger in seinen akademischen Arbeiten, ist sein Stil immer von vorbildlicher Klarheit. Seine außerordentliche Befähigung zur Analyse und scharfsinniger Argumentation kommt im intensiven, leidenschaftlichen Dialog mit den maßgeblichen Stimmen des zeitgenössischen philosophisch-politischen Denkens jeder Richtung zum Ausdruck. Die Auseinandersetzung, die das Denken Ronald Dworkins im Lauf der Jahre hervorgerufen hat, hat nie aufgehört. Aus allen diesen Gründen verdient es das Werk Ronald Dworkins zu den Klassikern des zeitgenössischen rechtsphilosophischen Denkens gezählt zu werden.
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