Serge Moscovici
Rumänien/Frankreich
Balzan Preis 2003 für Sozialpsychologie
Serge Moscovicis Arbeiten zeichnen sich durch grosse Originalität aus: Sie ersetzten die kanonischen Modelle des Faches, veränderten dessen Forschungsmethoden und -richtungen und schufen eine europäische Tradition der Sozialpsychologie, deren Eigenständigkeit allgemein anerkannt wird. In den Wissenschaften vom Menschen und der Gesellschaft nimmt Serge Moscovici nunmehr den führenden Platz ein, der bis Ende der sechziger Jahre Jean Piaget gebührte.


Serge Moscovici nimmt in den Wissenschaften vom Menschen und der Gesellschaft eine besondere Stellung ein. Seine weitverzweigten Interessen veranlassten ihn, sich ernsthaft mit Philosophie, Mathematik und Wissenschaftsgeschichte wie mit Psychoanalyse und Sozialpsychologie zu befassen.
Auf seine Dissertation (1961), welche die Psychoanalyse, ihr Bild und Publikum, zum Gegenstand hatte, folgte eine Reihe von Forschungen über die Beziehung zwischen Natur und menschlicher Gesellschaft. Sie führten ihn zur Theorie der sozialen Vorstellungen, welche Menschen miteinander verbinden.
Serge Moscovici verbindet die Vorstellung des autonomen Individuums, das zu Initiativen und Entscheidungen fähig ist, mit denjenigen der Familie, der Institutionen, Berufe und Nationen, durch die Handeln, Zufall und Schicksal jedes Einzelnen und aller zusammen bestimmt wird.
Serge Moscovici untersucht, wie die Individuen ihre Erfahrungen im gesellschaftlichen Rahmen organisieren, wie sich die situationsbedingten Kräfte unter den Individuen auswirken. Gleichzeitig erforscht er den Grad sozialer Integration, die Glaubensformen, Werte und Ideologien der Gesellschaft.
Für Serge Moscovici müssen psychosoziale Erklärungen immer die Bindung zwischen Individuum und Kollektiv, zwischen Subjekt und System berücksichtigen. Dieses Verständnis setzt die europäische Sozialpsychologie von der amerikanischen sowohl in der Theorie wie in der Methodik ab.
Ebenso neu wie die Theorie der sozialen Vorstellungen ist diejenige des Einflusses von Minderheiten. Sie liegen zahlreichen erfolgreichen Studien zum Verhalten des Einzelnen wie der Masse zugrunde.
Serge Moscovici zeigt, wie Individuen ihr Verhalten innerhalb einer Gruppe ändern, aber auch, wie Minderheiten imstande sind, Meinungen zu beeinflussen und wie überhaupt Handlungen und Gedanken in grossen gesellschaftlichen Gruppen zustande kommen.
Die Theorie der sozialen Vorstellungen, die des sozialen Einflusses von Minderheiten, sowie die Theorie der sozialen Entscheidung und des sozialen Konsensus sind die drei wichtigsten Beiträge Serge Moscovicis zur europäischen Sozialpsychologie.

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