Wen-Hsiung Li
USA/Taiwan
Balzan Preis 2003 für Genetik und Evolution
Wen-Hsiung Li hat einen grundlegenden Beitrag zum Gebiet der molekularen Evolutionsgenetik geleistet. Er hat Methoden zur Ableitung phylogenetischer Verwandtschaftsbeziehungen entwickelt, die zu bedeutenden Erkenntnissen über die evolutionäre Mutationsrate bei Lebewesen führten.

Wen-Hsiung Li hat zahlreiche grundlegende Beiträge zu den heutigen Kenntnissen über die molekulare Evolution geleistet. Er hat mathematische Techniken für weitreichende Probleme entwickelt und eingeführt, und seine Methoden gehören auf diesem Gebiet zu den am häufigsten angewandten.
Mit dem explosionsartigen Verfügbarwerden von DNS-Sequenzen in den achtziger Jahren wurde Wen-Hsiung Li einer der Begründer von Methoden, die es erlauben, mittels Vergleichen von DNS-Sequenzen auf entwicklungsgeschichtliche Zusammenhänge zu schliessen. Besonders gross war sein Einfluss auf die Entwicklung von Methoden zur Bestimmung der Genauigkeit evolutionärer Stammbäume und zur Beurteilung von deren statistischer Aussagekraft.
Ein Schlüssel zur Interpretation von DNS-Daten basiert auf der Annahme, dass die Häufigkeit von DNS-Veränderungen pro Zeiteinheit im Verlauf der Evolution konstant sei (die sogenannte molekulare Uhr). Diese Annahme dient dazu, den Zeitpunkt des Auftretens von Stammbaum-Verzweigungen nachträglich zu bestimmen.

Wen-Hsiung Li hat als erster in den achtziger Jahren experimentell nachgewiesen, dass die Geschwindigkeit dieser Uhr von der Generationszeit abhängt: Je kürzer die Generationszeit, desto schneller läuft die Uhr. Deshalb läuft sie für Ratten und Mäuse fünfmal so schnell wie für Affen und Menschen. Diese Entdeckung hat viel zum besseren Verständnis der Unterschiede zwischen den Evolutionszeiten verschiedener Lebewesen beigetragen.
Wen-Hsiung Li gehörte zu den ersten, die beweisen konnten, dass die Mutationsrate bei männlichen Lebewesen höher ist als bei weiblichen. Er wies dies sowohl für die höheren Primaten, einschliesslich des Menschen, als auch für Nagetiere nach.
Mit der Verfügbarkeit von Daten aus dem menschlichen Genomprojekt haben Wen-Hsiung Li und seine Mitarbeiter ihre Aufmerksamkeit auf die Erforschung der detaillierten Struktur des menschlichen Genoms gerichtet, einschliesslich des Nachweises nicht funktionaler DNS, die innerhalb kodierender Regionen eingebettet ist.
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