Die Sammlung Eugenio Balzan in Bellinzona

Vom 29. September 2012 bis 20. Januar 2013 zeigt das Museum Villa dei Cedri in Bellinzona in der Ausstellung...

Zwischen Italien und der Schweiz. Die Werke eines Journalisten, Sammlers und Mäzens
DIE SAMMLUNG EUGENIO BALZAN IN BELLINZONA
1944 - 2012
Kuratiert von Giovanna Ginex und Anna Lisa Galizia

Museum Villa dei Cedri, Bellinzona
29. September 2012 | 20. Januar 2013


Vom 29. September 2012 bis 20. Januar 2013 zeigt das Museum Villa dei Cedri in Bellinzona in der Ausstellung LA RACCOLTA EUGENIO BALZAN A BELLINZONA 1944-2012 Werke bedeutender Meister der italienischen Malerei des 19. Jahrhunderts und erläutert die Entstehung der Sammlung mit Bezug zur Biographie des Sammlers Eugenio Balzan (Badia Polesine, Italien, 1874 - Lugano, Schweiz, 1953).

Nach fast siebzig Jahren kehrt die Sammlung an den Ausstellungsort von 1944 zurück. Kuratiert von Giovanna Ginex, Kunsthistorikerin, und Anna Lisa Galizia, Konservatorin des Museums Villa dei Cedri, wurde die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Eigentümerin, der Internationalen Balzan Stiftung mit Sitz in Mailand und Zürich, und mit Unterstützung der Cornèr Bank in Lugano realisiert. Das Schweizer Kreditinstitut, das sich seit seiner Gründung 1952 im Bereich der Kultur und der Kunst engagiert, hatte bereits 2006 den Kunstband von Giovanna Ginex Geschichte einer Kunstsammlung. Die Sammlung Eugenio Balzan herausgegeben.

DER SAMMLER
Eugenio Balzan kommt 1897 aus dem venezianischen Hinterland als Korrekturleser zum Corriere della Sera, wo er schon bald erfolgreich Karriere macht, zuerst als hervorragender Journalist und Auslandreporter und danach mehr als dreißig Jahre lang als weitsichtiger Direktor und Teilhaber der Mailänder Tageszeitung. Dank seinen persönlichen Beziehungen zu Vertretern des Mailänder Kulturlebens und angeregt von der Sammlerleidenschaft bekannter Unternehmer und Geschäftsleute, wächst sein Interesse für die Kunst. Eine Leidenschaft, die in den 20er und 30er Jahren des 20. Jh. in die Errichtung einer Kunstsammlung mündet, die sich gänzlich an den Kriterien des damaligen bürgerlichen Sammelideals orientiert. Eugenio Balzan, bei seiner Wahl von den bekanntesten zeitgenössischen Kunstkritikern unterstützt, kauft ausschliesslich Werke erstklassiger Vertreter der sogenannt "regionalen Schulen" der zweiten Hälfte des 19. Jh. und anfangs  des 20. Jh., mit einer besonderen Vorliebe für die begehrten Gemälde des Naturalismus und Themen der Genre- und Landschaftsmalerei.

WERKE UND KÜNSTLER
Die rund 40 Bilder bieten die einzigartige Gelegenheit, eine Gemäldesammlung von höchster künstlerischer Qualität zu sehen, die dank exemplarischen Werken eine Gesamtheit der verschiedenen "regionalen Schulen" bildet. Nebst Domenico Morellis Meisterwerken Bagno Pompeiano (Pompejisches Bad) und La sultana che torna dal bagno (Die Sultanin auf dem Rückweg vom Bad) stehen Mosè Bianchi, Leonardo Bazzaro, Eugenio Gignous und Gaetano Previati aus der Lombardei im Dialog mit dem Piemontesen Alberto Pasini, mit Giacomo Favretto, Luigi Nono und Ettore Tito aus Venetien sowie Giovanni Fattori und Plinio Nomellini aus der Toskana. Abgerundet wird die Gesamtschau durch die Werke des Emilianers Antonio Fontanesi und der Neapolitaner Edoardo Dalbono, Giuseppe De Nittis, Francesco Paolo Michetti, Federico Rossano und Gioacchino Toma.

DIE AUSSTELLUNGEN IN BELLINZONA 2012 UND 1944
Die Ausstellung rekonstruiert die chronologische Entstehung der Sammlung mit einem besonderen  Augenmerk auf den historischen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontext am Ende des 19. Jh. bis zur ersten Hälfte des 20. Jh. und verdeutlicht, wie die Beziehungen zwischen Italien und der Schweiz in dieser Zeit auch die Geschichte und das Leben Eugenio Balzans geprägt haben. In offener Ablehnung des faschistischen Regimes, das die Unabhängigkeit des Corriere gefährdet, zieht Balzan 1933 nach Lugano, wo er sich bereits zuvor immer wieder aufgehalten hat. Besorgt über den Ausgang des Zweiten Weltkrieges, gelingt es ihm, seine Sammlung in die Schweiz zu verlegen. 1944 folgt eine wichtige Wanderausstellung unter dem Titel Italienische Malereien des XIX. Jahrhunderts. Die Ausstellung wird im Kunsthaus Zürich eröffnet und im selben Jahr im Rathaus von Bellinzona und im Kunstmuseum Bern gezeigt. Kurator ist der Kunsthistoriker Giuseppe De Logu, ein großer Freund von Eugenio Balzan, der seit den 30er Jahren bis zum Kriegsende in der Schweiz im Exil lebt. In der ursprünglichen Ausstellung in Bellinzona beschliesst De Logu, die Werke der Sammlung mit einer Auswahl von Gemälden zu ergänzen, die aus öffentlichen und privaten Sammlungen des Kantons Tessin stammen.

Die derzeit in der Villa dei Cedri eingerichtete Werkschau ist somit auch eine Würdigung der ersten Ausstellung in der Schweiz. In Erinnerung an jenes besondere Ereignis zeigt die aktuelle Ausstellung nebst den damals ausgestellten Werken der Sammlung Balzan auch die 1944 zusätzlich ausgestellten Gemälde, die im Besitz des Museums Vincenzo Vela in Ligornetto und des Museums der Stadt Lugano sind.

1948 beschließt Eugenio Balzan, nach Italien zurückzukehren und leitet die langwierigen Praktiken ein, um die Sammlung in seine Heimat zurückzubringen. Er stirbt 1953, ohne sein Unterfangen verwirklicht zu sehen. Seine Tochter Lina realisiert 1956 das väterliche Vorhaben, die Werke nach Mailand zurückzuführen. Ihm zu Ehren errichtet sie 1957 die Internationale Balzan Stiftung mit Sitz in Mailand und in Zürich. Zweck der Stiftung ist es, weltweit die Kultur, die Wissenschaften sowie verdienstvolle Initiativen für den Frieden und die Brüderlichkeit unter den Völkern zu fördern. Sie tut dies durch die Vergabe der Balzan Preise. Derzeit sind es jährlich vier Wissenschaftspreise, jeder im Wert von 750'000 Schweizer Franken. Die Hälfte davon müssen die Preisträger für Forschungsprojekte verwenden, an denen Nachwuchsforscher beteiligt sind.

KATALOG ZUR AUSSTELLUNG
La Raccolta Eugenio Balzan a Bellinzona: 1944-2012. Skira, 2012. 16,5 x 24 cm, 88 Seiten, 49 davon in Farbe, Paperback CHF 18.00

Die Ausstellung wurde mit dem Beitrag der  Cornèr Banca realisiert. 

INFORMATIONEN
Städtisches Museum Villa dei Cedri: www.villacedri.ch
Piazza S. Biagio 9, CH-6500 Bellinzona

Eintritt: regulär CHF 8 / Euro  6 | ermäßigt CHF 5 / Euro 4
Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 14:00 -18:00 | Samstag, Sonntag und Feiertage 11:00 - 18:00 montags geschlossen
Spezielle Öffnungszeiten:  bis 20:00 Uhr am ersten Donnerstag des Monats
Sonntags im Museum: jeden Sonntag um 11:00 kostenlose Führung im Kauf der Eintrittskarte inbegriffen
Führungen:  Samstag, 13. und 27. Oktober, 17.00 Uhr: Begegnung mit Renata Broggini, Historikerin und Autorin der Biographie Eugenio Balzan 1874-1953. Una vita per il "Corriere", un progetto per l'umanità
Samstag, 20. Oktober, 1. Dezember, 12. Januar, 17:00 Uhr geführte Besichtigung mit den Kuratorinnen.
Kunstvermittlung:    Schulklassen und geführte Besichtigungen auf Anfrage


PRESSEINFORMATION
für die deutsche und französische Schweiz: Kathrin Ott
Internationale Balzan Stiftung "Fonds"
Claridenstrasse 35, 8022 Zürich
T   044 201 48 22
M   079 448 21 19
balzan@balzan.ch  

für Italien und italienische Schweiz: Laura Doronzo
Via della Moscova  40/6 - 20121 Milano
Port. :  +39 335204948 | Tél. :  +39 0265589021
Courriel : laura.doronzo@gmail.com

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