Im Gespräch: Bruce Beutler, Preisträger 2007, Chairman des Departments für Genetik am "The Scripps Research

Vor kurzem wurde Dr. Bruce Beutler für seine Arbeit zur angeborenen Immunität mit dem Albany Medical Center Preis ausgezeichnet. Zu der Anerkennung – die Professor Beutler mit seinen Kollegen, den Immunologen Ralph Steinman und Charles Dinarello teilt – meint James J. Barba, Präsident und Geschäftsführer des Albany Medical Centers sowie Chairman des National Selection Committees: "Die Rolle des menschlichen Immunsystems für die Gesundheit aber auch bei Erkrankungen wird durch ihre Arbeit heutzutage besser verstanden. Ihre Entdeckungen, wie der Körper Infektionen wahrnimmt und darauf reagiert, bilden die Grundlage für eine aktive Forschung. Diese birgt genauso Hoffnungen auf neue und verbesserte Impfungen wie auch auf innovative Wege das Immunsystem zu nutzen, um Viren und bakterielle Erkrankungen abzuwehren. Ihre Errungenschaften sind schlicht verblüffend."

Bereits im Jahr 2007 gewann Professor Beutler gemeinsam mit dem französischen Wissenschaftler Jules Hoffman den Balzan Preis für ihre Arbeiten zur angeborenen Immunität. Dabei nutzte Professor Beutler in erster Linie Mäuse als Tiermodell, während sein Co-Preisträger Jules Hoffman dafür Fliegen verwendete. Die Internationale Balzan Stiftung sprach kürzlich mit Professor Beutler darüber, wie er die Balzan Unterstützung für seine neuesten Projekte in der Immunologie verwendet.

Zwei Entdeckungen die er während seiner Karriere gemacht hat, so meint Professor Beutler, waren besonders signifikant. Zum einen die Entdeckung, dass das Zytokin "Tumor Necrosis Faktor" (TNF) Entzündungen verursacht und eines der Kennzeichen für Infektionen ist und zum anderen, die Entdeckung der Funktion des Toll-like Rezeptors (TLR).

"TLRs können als Augen des Immunsystems beschrieben werden. Sie spüren Infektionen auf und steuern den Entzündungsprozesses, der diese Infektionen einzudämmen hilft. Manchmal signalisieren die TLRs jedoch übermässig und verursachen dadurch Schaden" sagt Professor Beutler. "Durch die Entdeckung, dass TLRs bei akuten und chronisch entzündlichen Krankheiten die eigentliche Quelle von Entzündungen sind, kann man schliesslich  Medikamente entwickeln, die das TLR-Signal verhindern und somit einige Krankheiten behandeln", ergänzt er. Vor diesem Hintergrund ist das Potenzial seiner Entdeckungen vor diesem Hintergrund enorm.

Professor Beutler und sein Team sind daran interessiert, mittels Mutagenese-Verfahren zu verstehen, welche Mutationen in Mäusen infolge von TLR-Signalwirkungen tödlich sind.
Im Allgemeinen beeinflussen Mutationen die Struktur von Proteinen: Moleküle, aus denen  zum grössten Teil unserer Körpermasse besteht und in mehr als 20.000 Varianten sowohl im Menschen als auch in der Maus vorkommen. Jedes Protein setzt sich aus einer einzigartigen Kette von Aminosäuren zusammen, die in einer bestimmten Form gefaltet ist. Oftmals kann eine Mutation eine unübliche Faltung oder Form bei Proteinen hervorrufen.

Im Falle des Immunsystems kann es vorkommen, dass ein abnormal geformtes Protein eine Reaktion durch die TLRs anregt. Dadurch wird dann eine Immunreaktion eingeleitet. Professor Beutlers Team versuchte nun genau solche Mutationen zu isolieren, um herauszufinden, wie man die Reaktion der TLRs verhindern kann. Dazu Beutler: "Wenn wir einen Weg finden, um die Reaktionen der TLRs zu blockieren, würde das ein entscheidender Schritt vorwärts sein. Die Mutationen, die bereits lokalisiert sind, und die Reaktion der TLRs geben uns eine Vorstellung, wie eine Reaktion im Menschen aussehen könnte. Wir sind am Beginn unserer Arbeit, die Jahre benötigen kann, aber wir hatten einen klaren Erfolg mit der  Mutation von Mäusen. Nun müssen wir prüfen, ob wir unsere Hypothese untermauern können."

Hinsichtlich künftiger Trends in der Immunologie erwartet Professor Beutler, dass sich Wissenschaftler mit dem Reaktionsvermögen unseres Körpers gegenüber eigenem Gewebe befassen werden – den so genannten Autoimmunreaktionen. Dazu meint er: "Autoimmunkrankheiten entstehen, wenn unser Immunsystem agiert, als wenn unser Gewebe ein Fremdkörper wäre. Noch verstehen wir nicht im Detail wie das passiert." Einen entscheidenden Beitrag dazu lieferte Professor Beutler aber bereits mit seiner Entdeckung der TLRs; doch meint er: "Bei der Mehrheit der Mutationen, die eine Autoimmunkrankheit verursachen, sind die Grundlagen und die Vorgänge, die zur Erkrankung führen, noch immer nicht vollständig klar. Wir arbeiten genau daran das zu ändern."

Es gibt eine Vielzahl von Autoimmunkrankheiten, die möglicherweise von dieser Forschung profitieren werden, dazu zählen rheumatische Arthritis, Lupus, Morbus Crohn, Typ 1 Diabetes, Multiple Sklerose und viele andere mehr. Wenn die verursachenden Mutationen effektiv aufgespürt werden, können Wissenschaftler möglicherweise eines Tages zielgerichtete Medikamente entwickeln, die genau jene Vorgänge, die eine Autoimmunkrankheit verursachen, blockieren. "Dieser Tag ist zwar noch in weiter Ferne, aber das ist natürlich das Endresultat, das wir uns alle wünschen", ergänzt Professor Beutler. Ein Medikament für rheumatische Arthritis, Enbrel, wurde bereits zur Reduktion von Entzündungen entwickelt – dank Professor Beutlers Arbeit an der Blockierung von TNF.
 
Susannah Gold
New York
 
(Übersetzung aus dem Englischen)
 

 
 
 

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