Verleihung der Balzan Preise 2014 in Rom

Rom, 20. November 2014 - Der Präsident der Italienischen Republik überreichte in Rom die Balzan Preise. Im Palazzo del Quirinale ...

Die Preisträger aus vier Fachgebieten erhalten je 750.000 Schweizer Franken (ca. € 620.000). Die Hälfte des Preisgeldes muss zur Finanzierung von Forschungsprojekten verwendet werden.
Der Friedenspreis ist mit einer Million Schweizer Franken dotiert (ca. € 830.000).
 
Rom, 20. November 2014 - Der Präsident der Italienischen Republik überreichte in Rom die Balzan Preise. Im Palazzo del Quirinale wurden die Preise bei einer feierlichen Zeremonie überreicht an:
IAN HACKING (Kanada), University of Toronto und Collège de France, für Epistemologie und Erkenntnistheorie (Philosophie des Geistes) *
DENNIS SULLIVAN (USA), City University of New York, für Mathematik (reine oder angewandte)
G. DAVID TILMAN (USA), University of Minnesota, für grundlegende und/oder angewandte Ökologie der Pflanzen
MARIO TORELLI (Italien), Università di Perugia, für klassische Archäologie.
Der Balzan Preis für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern geht an die Organisation VIVRE EN FAMILLE (Frankreich).
Die Verleihungszeremonie fand in Anwesenheit der zwei Präsidenten der Internationalen Balzan Stiftung "Preis", Enrico Decleva, und "Fonds", Achille Casanova statt. In feierlichem Rahmen hielten alle Preisträger nach Vorstellung durch den Präsidenten des Preiskomitees, Salvatore Veca, eine kurze Ansprache, mit der sie die Auszeichnungen annahmen und ihren Dank ausdrückten..
Die Preisverleihung findet jeweils im November abwechselnd in Rom und Bern statt. In Rom erfolgt die Preisverleihung in Anwesenheit des italienischen Staatspräsidenten und in Bern in Anwesenheit eines Mitgliedes des Bundesrates.
Ian Hacking erhielt den Balzan Preis für Epistemologie und Erkenntnistheorie „Für seine grundlegenden und wegweisenden Beiträge zur Philosophie und zur Geschichte der Natur- und Sozialwissenschaften, für die weite thematische Spannbreite seiner Forschungen, für den originellen epistemologischen Ansatz, welcher auf einer Version des wissenschaftlichen Realismus beruht, die dem im vergangenen Jahrhundert vorherrschenden Paradigma der Wissenschaftsphilosophie entgegen gesetzt wird“.
In Mathematik wurde Dennis Sullivan geehrt „Für seine herausragenden Beiträge in den Gebieten der Topologie und der dynamischen Systeme, die künftigen Generationen neue Perspektiven eröffnen, sowie für seine außerordentlichen Entdeckungen in vielen Bereichen der Mathematik wie der Geometrie, der Theorie der Klein‘schen Gruppen und der Zahlentheorie“.
Der Balzan Preis für Ökologie der Pflanzen, wurde an David Tilman überreicht „Für seine ausserordentlichen Beiträge zur theoretischen und experimentellen Pflanzenökologie. Diese Arbeiten bilden die Grundlage für einen Grossteil unseres gegenwärtigen Verständnisses darüber, wie Pflanzengesellschaften strukturiert sind und mit ihrer Umgebung kommunizieren“.
Der Preis für klassische Archäologie wurde an Mario Torelli vergeben „Für die innovative Forschungstätigkeit im Bereich der antiken Kulturen, von den Griechen zu den Etruskern und Römern, für die hohe Relevanz seines wissenschaftlich- methodischen Experimentierens und seiner archäologischen Funde, für die Originalität seines Schaffens, welches in einem sicheren Gesamtkonzept die historisch-epigraphische Recherche, die ikonologische Analyse, die historisch-religiöse Bewertung und die anthropologische Forschung umfasst. Dabei berücksichtigt er stets die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen sowie die ideologischen und institutionellen Aspekte der antiken Kulturen“.
Vivre en famille wurde mit folgender Begründung mit dem Balzan Preis für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern ausgezeichnet: „Gegründet 1993 in Frankreich, um geistig beeinträchtigte Kinder und Jugendliche in eine Familie einzugliedern, hat die Organisation später ihre Tätigkeit auf Afrika ausgedehnt. Heute hat sie ihren Schwerpunkt vor allem in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) und bleibt ihrer ursprünglichen Berufung treu, internationale Adoptionen zu unterstützen. Zudem setzt sie sich dafür ein, daß bedürftigen Kindern Krankenhäuser, Schulen und Gesundheitszentren zur Verfügung stehen und kümmert sich auch um die Unterstützung der Mütter. Der Balzan Preis soll die Errichtung einer Mütterstation und die Wiedereröffnung einer Schule in Ibambi ermöglichen (DR Kongo)“.
Die Preisgebiete der Internationalen Balzan Stiftung variieren jedes Jahr, um besonders innovative Forschung auf den Gebieten der Geistes- und Sozialwissenschaften, der Kunst sowie den Naturwissenschaften, der Physik, Mathematik und Medizin zu würdigen, die im Gegensatz zu traditionellen Wissenschaftsgebieten oftmals spezieller und interdisziplinärer ausgerichtet sind. Die Preisträger müssen die Hälfte des Preisgeldes (CHF 750.000, ca. € 620.000) für die Finanzierung von Forschungsprojekten verwenden, die vorzugsweise von jungen Wissenschaftlern und Forschern durchgeführt werden.
Der Preis für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern ist ein Sonderpreis, der von der Balzan Stiftung in unregelmässigen Zeitabständen von mindestens drei Jahren vergeben wird.
Der Friedenspreis 2014 ist mit einer Million Schweizer Franken dotiert (ca. € 830.000).
Am Freitag dem 21. November wird das Interdisziplinäre Forum der Balzan Preisträger stattfinden. Es bietet in den Räumen der Accademia Nazionale dei Lincei (Palazzo Corsini) ab 14.15 Uhr Gelegenheit zur öffentlichen Debatte über die diesjährigen Preisgebiete mit den Preisträgern, den Mitgliedern des Balzan Preisverleihungskomitees und Mitgliedern der Accademia Nazionale dei Lincei.
Am selben Tag (21. November), aber bereits ab 10.30 Uhr, kann man in der Accademia dei Lincei der Vorstellung des Buches The Balzan Prizewinners' Research Project, an Overview 2014 beiwohnen, das ein Überblick über die Forschungsprojekte gibt.
Anschließend um 12 Uhr wird dann die Organisation Vivre en Famille, Balzan Preis für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern, in einer ebenso öffentlichen Sitzung vorgestellt.
* Der Preis für Ian Hacking, der nicht an dem Festakt teilnehmen konnte wurde von seiner Tochter, Frau Rachel Gee Hacking, entgegen genommen.

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