David Karl
USA
Balzan Preis 2015 für Ozeanographie
Für seine grundlegenden Beiträge zum Verständnis der Rolle und der großen Bedeutung der Mikroorganismen in den Ozeanen und der Weise, wie Mikroorganismen und Phytoplankton die Kohlenstoff-, Stickstoff- und Eisenzyklen im Meer kontrollieren; diese Arbeiten vermitteln bedeutende Erkenntnisse über den globalen Wandel.

David Michael Karl wurde 1950 in Buffalo, New York geboren. Er promovierte 1978 am Scripps Institution of Oceanography, University of California, San Diego. Derzeit ist er als Professor für Ozeanographie an der School of Ocean and Earth Science and Technology, University of Hawaii at Manoa, tätig, wo er die Funktion des Direktors des University Center für Mikrobielle Ozeanographie, Forschung und Ausbildung bekleidet. Es ist dies eine der führenden Einrichtungen, die Molekularbiologie und Genomik im großen Stil für die Ozeanographie einsetzen und eine der produktivsten und innovativsten Forschergruppen auf dem Gebiet der mikrobiellen Ozeanographie.
Seine Arbeiten haben zu neuen und profunden Erkenntnissen in Biochemie, Mikrobiologie und Genomik geführt, welche der Erforschung mariner Ökosysteme und globaler Prozesse gedient haben. David Karl ist überdies führend in der Entwicklung neuer Methodiken für die mikrobielle Ökologie, molekulare Ökologie und Biogeochemie sowie in der Analyse der Ökosysteme des Pazifischen und Antarktischen Ozeans. Die Forschungen in seinem Labor befassen sich namentlich mit dem Kohlenstoffzyklus im Ozean, von der photosynthetischen Produktion organischen Materials bis zur Sequestrierung von CO2 in der Tiefsee.

David Karl ist für die Entwicklung und Leitung von langfristig angelegten, integrierten Studien chemischer, physikalischer und biologischer Veränderungen in mariner Umgebung bekannt, die zur Entdeckung eines ozeanischen Systemverhaltens und dessen wahrscheinlichen Ursachen führten. 1988 gründete er eine Überwachungsstation auf hoher See in den Subtropen des Nordpazifiks, um Zeitreihendaten zur Beobachtung der Auswirkungen des Klimas auf den Aufbau und die Funktion mikrobieller Gemeinschaften zu sammeln. Sie sollen überdies als Wachposten zur Warnung vor bedrohlichen Veränderungen dienen. Diese Datensammlung ist für die ozeanographische wissenschaftliche Gemeinschaft von größter Wichtigkeit und konnte bereits in weniger als einem Jahrzehnt wesentliche Maßstabsveränderungen für die mikrobielle Ökologie aufzeigen, die sich auf größere Klimaveränderungen wie das El Niño-Ereignis und die Pazifische Dekaden-Oszillation zurückführen lassen.
Seine Arbeiten lieferten vertiefte Einsichten darüber, wie, warum und wann die Ozeane als globale Kohlenstoffsenke oder -quelle dienen. Für die Wissenschaft des Klimawandels und dessen Auswirkungen auf unseren Planeten ist dies ein wesentlicher Beitrag.

Er erforschte außerdem die mikrobiellen Prozesse unter extremen Umweltbedingungen wie z.B. in sauerstoffarmen Gebieten des Schwarzen Meeres, im Wostoksee (unter dem Antarktischen Eisschild) und im Bereich hydrothermaler Tiefsee-Spalten. Er untersuchte die mikrobiell vermittelten Transformationen und die physikalischen Mechanismen der Bereitstellung wichtiger Nährstoffe für Phytoplankton im Ozean. Seine Forschungen konnten das Vorhandensein und die Bedeutung neuer Klassen von Meeresorganismen, hier vor allem der marinen Archaeen aufzeigen, die in einer Tiefe von 200 bis zu 1000 Metern vorhanden sind.

David Karl hat zahlreiche, sehr produktive Forschungsteams geleitet, die Wissenschaftler und vor allem Studenten einschlossen. Er nimmt eine wichtige Rolle in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein. Großzügig stellt er seine Zeit zur Verfügung, und trägt auf einzigartige Art und Weise zur großen internationalen ozeanografischen Gemeinschaft bei. Seine außerordentlichen Forschungsergebnisse haben unseren Blick auf das Leben im Meer nachhaltig verändert.
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