Ernst Gombrich
Österreich/Grossbritannien
Balzan Preis 1985 für Kunstgeschichte des Abendlandes
Für seinen grundlegenden Beitrag zu einer historischen, ästhetischen und psychologischen Interpretation der klassischen und modernen Kunst des Abendlandes. Für die neuen Perspektiven, welche seine “Ikonologie“ der Erforschung symbolischer Formen eröffnet hat. Für die Förderung der humanistischen Studien, zu der das Warburg Institut unter seiner Leitung beigetragen hat.

Nach Absolvierung seines Studiums der Kunstgeschichte an der Universitiit Wien (1928-1933), arbeitete Ernst Gombrich (*1909 - †2001) am Kunsthistorischen Museum in Wien als Mirarbeiter des Konservarors Ernst Kris. Dessen Beziehungen zum Sigmund Freud Kreis und die damit zusammenhängenden Arbeiten über die Karikaturgeschichte hinterliessen deutliche Spuren in Gombrichs Werken.

1936 wurde er von Fritz Saxl ans Warburg Institut berufen, das soeben von Hamburg nach London verlegt worden war. Seine erste Aufgabe, die Herausgabe von Aby Warburgs Schriften, wurde durch den Krieg unterbrochen, in dem er für den Abhördienst der BBC tätig war. Aus dieser Tätigkeit zog er tiefgründige Schlussfolgerungen über die Natur und Mythologie des Nationalsozialismus.

1945 kehrte er zum Warburg Institut zurück und übernahm von 1959 bis 1975 dessen Leitung. Zugleich hatte er an der Universität von London den Lehrstuhl für Geschichte der klassischen Tradition inne. Er beschäftigte sich in dieser Zeit vor allem mit der theoretischen Fundierung und Anwendung der von Warburg und Panofsky entwickelten Ikonologie. Als Gastprofessor an zahlreichen Universitäten wie Oxford, Cambridge, Harvard, Cornell und Chicago sowie als Mitglied des Institut de France und verschiedener gelehrten Gesellschaften, hat Ernst Gombrich, dank seiner Rednergabe und seinem pädagogischen Talent wie auch mir seinen Werken nicht nur im Kreis der Fachkollegen, sondern auch in einem weiteren Publikum einen sehr grossen Einfluss ausgeübt.

So ist sein 1950 erschienenes Buch «Story of Art», das zurzeit die 14. Auflage erreicht hat, in siebzehn Sprachen übersetzt worden, «Während ich dieses Buch schrieb», erklärt er, «dachte ich vor allem an die jungen Leser, an Jugendliche, die gerade im Begriffe sind, die Welt der Kunst zu entdecken». Aus diesem Grande verwendet er in diesem Buch «einen einfachen Sprachstil, auf die Gefahr hin, banal oder wenig wissenschaftlich zu scheinen… Unterschätzt nicht derjenige seinen Leser, der die wissenschaftliche Sprache braucht, nicht um ihm die Augen zu öffnen, sondern um ihn zu beeindrucken?».

Die Verbreitung und Wirkung des Werks von Sir Ernst Gombrich beruht auf seiner Gabe, dem Leser und Zuhörer neue Einsichten zu eröffnen, ihn auf nahezu natürliche Weise an kunsttheoretischen Überlegungen teilnehmen zu lassen, ihn nicht mir Gelehrsamkeit zu belasten, sondern ihn zu bilden, ihn ohne Pedanterie teilnehmen zu lassen an seinen Gedanken über das, was er im Titel seiner neuesten Essaysammlung (Flammarion, 1983) die «Ökologie der Bilder» nennt.

Er erfasst die abendländische Kunst, der sein Interesse gilt, in ihrer Geschichte und ihren Ursprüngen (The Heritage of Apelles) , in ihren mannigfaltigsten Manifestationen (Art and Illusion, The Sense of Order), in ihrer Kontinuität und Mannigfaltigkeit, in ihrer historischen Grösse wie in ihren Beziehnngen zur Gesellschaft und zu den sozialwissenschaften.

Mit der Gradlinigkeit seines wissenschaftlichen Programms, mit den vielfaltigen Anstössen und Einsichten, durch die er die Geschichte der abendländischen Kunst bereichert hat, mit seinen Studien über die visuelle Wahrnehmung im allgemeinen und über die ästhetische Wahrnehmung im besonderen, hat Sir Ernst Gombrich ein Lebenswerk geschaffen, das anzuerkennen die Balzan-Stiftung sich glücklich schätzt.
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