Jean Rivero
Frankreich
Balzan Preis 1986 für Grundrechte der Persönlichkeit
Dem Rechtsgelehrten von weltweitem Ansehen, der in zahlreichen Werken die Grundlagen für ein Rechtssystem zum Schutz der Persönlichkeit unter Berücksichtigung der unterschiedlichen nationalen Verfassungen und deren geschichtlicher Entwicklung sowie der Bestimmungen der internationalen Vereinbarungen erarbeitete. Er hat eine allgemeine Rechtstheorie verfasst, die die Menschenrechte mit den Freiheitsrechten verbindet und den Weg zu wirksamen Garantien in der nationalen und internationalen Rechtsprechung ebnet.
Das Studium der Menschen- und Freiheitsrechte nimmt in Jean Riveros (*1910 - †2001) juristischem Werk einen bevorzugten Platz ein.
Mit seinem zweibändigen, mehrmals neu aufgelegten Werk zu diesen Fragen hat er in Frankreich die Lehre der Freiheitsrechte neugestaltet, indem er sie in eine Gesamttheorie der Menschenrechte einbezog. Dazu kommen zahlreiche Aufsitze, die der kritischen Überprüfung und Entwicklung der geistigen Grundlagen, den spezifischen Problemen der einzelnen Freiheiten, der juristischen Handhabung der Menschenrechte und deren Konkretisierung gewidmet sind; denn für Jean Rivero liegt hier der Kernpunkt: Sein Werk wird beherrscht vom Leitgedanken, dass die Menschenrechte nicht nur in Gesetztexten, sondern auch im Leben der einzelnen Menschen wirksam werden müssen.
Dieser Leitgedanke findet sich in allen Arbeiten, die Jean Rivero in den verschiedenen Sparten des Rechts verfasst hat. Auch im öffentlichen Recht wie im Arbeitsrecht gilt seine Sorge dem Menschen und dessen Schutz vor Willkür. Die französische Regierung hat ihn deshalb mit der Vorbereitung verschiedener Gesetzesentwürfe zur Erweiterung der Freiheitsrechte betraut und ihn auf diesem Gebiet oft als Sachverständigen zugezogen.
Aber der realistische Humanismus, der Jean Riveros Werk und Wirken kennzeichnet, hat ihm weit über die nationalen Grenzen hinaus einen Namen geschaffen. Als langjähriger Präsident der Sektion der Sozialwissenschaften der französischen UNESCO-Kommission und als Mitglied der französischen Delegation an der Generalkonferenz der UNESCO in Belgrad, wurde Jean Rivero wiederholt von der UNESCO zu Rate gezogen, namentlich anlssiich der Gründung eines internationalen Verbandes der Professoren der Menschenrechte.
Von der Columbia University wurde er damit beauftragt, die französische Konzeption der Menschenrechte im Vergleich zu derjenigen der Vereinigten Staaten vorzustellen.
Über die Menschenrechte sprach er an der Universität Madrid, als Spanien noch unter der Diktatur stand, vor dem kolumbischen Staatsrat, an der Akademie von Caracas, an der hellenischen Stiftung für Menschenrechte, in Brüssel und an anderen Orten wie Löwen, Rabat, Tunis und Beirut sowie selbstverständlich am Institut International des Droits de l’Homme, wo er gemäss René Cassins Wunsch seit dessen Gründung tätig ist.
Verschiedene Universitäten haben ihm das Ehrendoktorat verlieben. Dies bekundet, ebenso wie die von ausländischen Regierungen verliehenen Auszeichnungen und die Übersetzungen mehrerer seiner Werke ins Spanische, Portugiesische, Japanische und Griechische, sein weltweites Ansehen.

(1986)
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