Michel Zink
Frankreich
Balzan Preis 2007 für Europäische Literatur (1000-1500)
Für seine grundlegenden Beiträge zum Verständnis der französischen und okzitanischen Literatur des Mittelalters als einem entscheidenden Kapitel in der Herausbildung der europäischen Literatur der Nachantike, für seine Neuinterpretation des Verhältnisses von mittelalterlicher und neuzeitlicher Literatur, für seine bahnbrechenden Initiativen, um die Literatur des Mittelalters wieder ins kulturelle Gedächtnis Frankreichs und Europas zurückzubringen.

Michel Zink ist Inhaber des Lehrstuhls für “Littératures de la France médiévale” am Collège de France, der in der illustren Tradition des 1853 für Paulin Paris gegründeten Lehrstuhls für “Langue et littérature françaises du Moyen Âge” steht. Durch seine Veröffentlichungen wie durch seine Lehre am Collège de France ist Michel Zink zweifellos der herausragendste Vertreter der Erforschung der mittelalterlichen Literatur in Frankreich.

Die Herausbildung der nachantiken Literatur in Europa hat im mittelalterlichen Nord- und Südfrankreich immer wieder massgebliche Paradigmen hervorgebracht. Mit seinen ebenso innovativen wie lebendigen, glänzend geschriebenen Untersuchungen zur Pastorale und zur Predigt in der französischen Volkssprache, zur literarischen Subjektivität im Zeitalter Ludwigs des Heiligen, zu Froissarts Konzeption der Zeit, zu Natur und Dichtung im Mittelalter, seiner kommentierten Ausgabe des Rutebeuf sowie zahlreichen Einzelstudien, die das ganze Gebiet der altfranzösischen und altprovenzalischen Literatur von den frühen Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters, aber auch alle massgeblichen literarischen Gattungen umfassen, hat Michel Zink einen wesentlichen Beitrag für das Verständnis der mittelalterlichen Literatur Frankreichs geleistet.

Seine Neuinterpretation des Verhältnisses von mittelalterlicher und neuzeitlicher Literatur in Frankreich, wie sie in seiner Antrittsvorlesung am Collège de France glanzvoll zum Ausdruck kam, ist ein wesentlicher Ansatzpunkt, um die Literatur des Mittelalters über den engen Bereich philologischer Spezialkenntnisse hinaus wieder ins kulturelle Gedächtnis Frankreichs und Europas zurückzubringen. Die Gründung der von ihm herausgegebenen Reihe “Lettres gothiques” ist dafür ein wesentliches Instrument.

 

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