Wolfgang H. Berger
Deutschland/USA
Balzan Preis 1993 für Paläontologie mit besonderer Berücksichtigung der ozeanographischen Aspekte
Für sein Werk als Pionier der Paläozeanographie, wobei er mikropaläontologische Methoden zur Erforschung der geologischen Geschichte unserer Ozeane und ihrer Auswirkungen auf das Klima anwandte.

Wolfgang Berger (*1937- †2017) ist einer der Pioniere in einem neuen Zweig der Naturwissenschaften, der Paläozeanographie, indem er marine Mikrofossilien nicht nur als Hilfe für die Stratigraphie sondern auch als Träger von Informationen ihrer Umwelt benützte.

Viele seiner Bemühungen richteten sich auf das Verstehen der ozeanographischen Faktoren, die die jahreszeitlich und geographisch schwankende organische Produktion, ihr Absinken auf den Meeresboden und die Erhaltung und Auflösung kalkiger Planktonorganismen, vor allem der Foraminiferen und Kokkolithophoriden bestimmen. Den Grad der Erhaltung konnte er als Indikator für die Reaktivität des Tiefwassers verwenden. Derartige Auflösungsprozesse sind von besonderer Bedeutung für den globalen Kohlendioxid-Haushalt, denn gegenwärtig bedecken Kalkschlamme die Hälfte der Tiefseeböden.

Berger begann seine Studien mit der Untersuchung von Prozessen in den heutigen Ozeanen. In Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern und seinen eigenen Studenten wandte er dabei alle modernen Methoden an von dem Einsatz von Sedimentfallen in der Ozeanischen Wassersäule bis zur Messung von Isotopenverhältnissen des Kohlenstoffs und Sauerstoffs, auch an Material von Korallen, Mollusken und Fischen.

Als aktiver Teilnehmer am Tiefsee-Bohrprojekt übertrug er danach diese Ergebnisse auf frühere Perioden der Erdgeschichte, vor allem auf das Tertiär und das Pleistozän samt dessen Übergang in die Jetztzeit.

Durch viele originelle Ansätze, so die Rekonstruktion der Paläototiefen der Ozeane - durch “backtracking” - oder durch das Herausheben der Auswirkung von Strömungen auf die biogene Sedimentation in den - geologisch - sich wandelnden Tiefsee-Becken konnte er ein eindrucksvolles Bild der Entwicklung unserer heutigen Ozeane und deren Konsequenzen für das ozeanische und atmosphärische Klima entwickeln. Er wies nach, dass Klima-Schwankungen oft in abrupten Schritten erfolgten: Ein wichtiger Hinweis für unsere aktuellen Oberlegungen zum “Global Change”.

Bergers überaus anregende Forschungen haben als Kennzeichen seine Fähigkeit, alle Zweige der Meereswissenschaften zu integrieren: Physikalische, chemische, biologische, geologisch/geophysikalische Ozeanographie. Zu seinen Untersuchungen behandelt er Zeiträume von Jahreslagen bis zu Jahrmillionen. Er kombiniert globale Aspekte mit speziellen Situationen, so die Produktivität in Auftriebsgebieten oder die Charakteristika der Kalkhaube auf dem Ontong-Java-Plateau im Südwest-Pazifik samt deren Bedeutung für die damalige Umwelt. Seine übergreifenden und originellen Gedanken, kombiniert mit detaillierten mikropaläontologischen Studien an Sedimentkernen an Bord und im Laboratorium an Land sind beispielgebend.

Mit seinem weiten Blick auf den gesamten Ozean und dessen geschichtliche Entwicklung hat er wesentliche Anregungen für Probleme und Ideen in der Paläozeanographie gegeben und gibt sie auch weiterhin.
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