Xavier Le Pichon
Frankreich
Balzan Preis 2002 für Geologie
Als einer der Pioniere der Theorie der Plattentektonik spielte er zudem eine herausragende Rolle bei der Erforschung der Plattenränder in der Tiefsee mit Hilfe von Tauchbooten.

Xavier Le Pichon ist einer der Begründer der revolutionären Theorie der Plattentektonik. Er entwickelte als erster ein globales Modell, das auf quantitativen Analysen beruht. Die Bewegungen starrer Platten zeigen den Umriss von rund einem Dutzend Platten an, ferner die Lage der zugehörenden Rotationspole und die entsprechenden Winkelgeschwindigkeiten. Das Prinzip für diese Ableitungen stammt von W.J. Morgan und von D.P. McKenzie & R.L. Parker aus dem Jahre 1967. Mit diesem Verfahren konstruierte Xavier Le Pichon 1968 eine Weltkarte mit den Relativbewegungen der grössten sechs Platten. Dies führte zur Grundlage für ein besseres Verständnis der Verteilung der Erdbeben. In grossen Zügen konnte damit auch die Lage der Kontinente und Ozeane in der erdgeschichtlichen Vergangenheit rekonstruiert werden. Mit Jean Bonnin und Jean Francheteau verfasste er ein Standardwerk zur Theorie der Plattentektonik (Plate Tectonics, 1973).

In der Folge wurde Xavier Le Pichon auch zu einem der führenden Erforscher der Tiefseeböden mit Hilfe von Tauchbooten. 1973 unternahm er mit Jim Heirtzler und Bob Ballard die French American Midocean Ridge Study (FAMOUS). Dies bildete den Anfang für hochauflösende Studien auf mittelozeanischen Rücken mit ihren Hydrothermalquellen. In den Jahren von 1979 bis 1981 erweiterte Xavier Le Pichon diese Explorationsmethode auf Tiefseegräben im östlichen Mittelmeer und - nach 1984 - auf solchen im Pazifik östlich von Japan. Dies ermöglichte ihm, geophysikalische, geologische und geochemische Prozesse sowohl an divergenten wie auch an konvergenten Plattenrändern untersuchen zu können. Die Rolle der Fluids ist dort nicht nur für das Verständnis der Erdbeben wichtig, sondern auch des geochemischen Budgets der Ozeane und der Biologie der Organismen an diesen hydrothermalen Austrittsstellen. Seit den späten 1990er Jahren erlauben ihm geodätische Methoden mit Hilfe von Satelliten interseismische Deformationen besser erklären zu können.

Xavier Le Pichons Beiträge zu den "Geosystem-Wissenschaften" haben über die Fachwelt hinaus ein weites Echo gefunden. Seine führende Rolle in der Entwicklung der Meeresgeologie in Frankreich und in vielen internationalen Programmen sowie seine Fähigkeit, Mathematik, Geophysik und Geologie zu kombinieren, sind die Grundlage für seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit andern Wissenschaftlern und für die Anleitung junger Talente in den Geowissenschaften.
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