Eric Hobsbawm
Grossbritannien
Balzan Preis 2003 für Europäische Geschichte seit 1900
Für seine brillante Interpretation der verworrenen Geschichte Europas im Zwanzigsten Jahrhundert und seine Fähigkeit, die tiefgründige historische Forschung mit literarischer Meisterschaft zu verbinden.

Der Träger des Balzanpreises 2003 für “Europäische Geschichte seit 1900“, Eric Hobsbawm (*1917 - †2012), beschäftigte sich während seiner ganzen wissenschaftlichen Laufbahn mit der europäischen Geschichte. Er begann damit in den fünfziger Jahren, als sich die Geschichtsschreibung mit ideologischen Einflüssen konfrontiert sah. Die sozialen Bewegungen, die Rebellen gegen die Gesellschaft und Revolutionäre fanden seine anhaltende Aufmerksamkeit und veranlassten ihn zu brillanten wissenschaftlichen Arbeiten: wie Primitive Rebels: Studies in Archaic Forms of Social Movement (1959 – Sozialrebellen, archaische Sozialbewegung im 19. und 20. Jahrhundert, Neuwied 1982) und Labouring Men: Studies in the History of Labour (1964).
Die englische Arbeiterklasse, die Arbeiterbewegung und die französischen Gewerkschaften dienten ihm oft als Modelle, um die Entwicklung der Arbeitswelt zu erklären und die Grundzüge einer Sozialgeschichte zu entwerfen. Seine Hauptwerke, die drei Bände über “das lange Neunzehnte Jahrhundert“, Europäische Revolutionen 1789-1848, Blütezeit des Kapitalismus 1848-1875, Das imperiale Zeitalter 1875-1914, gefolgt von Das Zeitalter der Extreme 1914-1991 über “das kurze Zwanzigste Jahrhundert“, die er in den Jahren 1962 bis 1994 verfasste, verfolgen die Geschichte der Entwicklung und der gesellschaftlichen Revolten in Europa von der Französischen Revolution bis zum Ende des Kommunismus in Europa. Sein Lebenswerk findet seinen – vorläufigen – Abschluss in einer umfangreichen Autobiographie, Gefährliche Zeiten, ein Leben im 20. Jahrhundert, München 2003. Sie blickt zurück auf ein Leben, das sich mit dem Zwanzigsten Jahrhundert fast deckt und in dem der Historiker die Gründe für seine Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei erklärt, seine damit zusammenhängenden Begegnungen und Fragestellungen beschreibt sowie den stalinistischen Barbarismus verurteilt, der 1974 offiziell bekannt worden war. Sein Gesamtwerk widerspiegelt und interpretiert meisterhaft Mythen, Ideologien, Überzeugungen und Erwartungen einer konfliktreichen Epoche. Mit schriftstellerischem Talent bringt er die Hoffnungen dieser Zeit zum Ausdruck und bedauert ihren Zusammenbruch.
Eric Hobsbawm vermittelte sein Wissen und seine Überzeugungen vor allem drei Generationen britischer und amerikanischer Studenten, aber auch anderen Wissbegierigen in sehr vielen Ländern der Welt. Er hat, wie auch Ernest Labrousse – der Träger des Balzanpreises 1979 – , zum Ruhm der Sozialgeschichte wesentlich beigetragen.
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