Ian Frazer
Australien/Grossbritannien
Balzan Preis 2008 für Präventivmedizin, einschliesslich Impfung
Für seine ausserordentlichen wissenschaftlichen Verdienste um die Entwicklung eines Impfstoffes zur Prävention des Cervix Karzinoms, dem jährlich eine Viertelmillion Frauen zum Opfer fallen, und für den mit dieser Leistung verbundenen nachhaltigen Beitrag zur Präventivmedizin.

Ian Frazer (1953) ist ein in Schottland geborener australischer Arzt, Direktor des Diamantina Instituts der Universität von Queensland am Princess Alexandra Hospital in Brisbane, Australien. 1981, zu Beginn der AIDS-Epidemie, aber noch vor der Entdeckung ihrer Natur und ihres Erregers, war er mit der Untersuchung der Ursache chronischer Leberkrankheiten bei homosexuellen Männern beschäftigt. Er wunderte sich, weshalb bei seinen Patienten die von Human Papilloma Virus (HPV) verursachten genitalen Warzen nicht oder nur schlecht heilten. Eine Kollegin, die die Arbeiten der Gruppe um Harald zur Hausen über die Assoziation zwischen Cervix-Karzinom und HPV kannte, schlug ihm vor, auch bei seinen HPV infizierten Patienten nach potentiell durch HPV verursachten Malignomen zu suchen. Tatsächlich entdeckte er 1984 HPV-DNA in Gewebsproben von Anus-Karzinomen. Er stellte die Hypothese auf, dass die – inzwischen erkannte – AIDS-bedingte Immunsuppression seine Patienten für das Virus empfänglich machte und so die maligne Transformation der infizierten Analschleimhaut ermöglichte.
Die logische Konsequenz dieser Annahme war der Gedanke an eine Immunisierung. Wegen der ungleich grösseren Prävalenz und medizinischen Bedeutung des Gebärmutterkrebses beschloss Ian Frazer, sich dazu dem HPV des Cervix Karzinoms zuzuwenden und zu versuchen, einen Impfstoff gegen HPV zu entwickeln.
Zunächst dachte er dabei an die Entwicklung eines “therapeutischen” Impfstoffes, der in infizierten Zellen mit der Aktivität von Schlüsselproteinen (E6 und E7) der Virus-induzierten malignen Transformation interferieren sollte. Da HPV nicht kultiviert werden kann, bedingte dies die Herstellung eines “synthetischen” infektiösen Virus. Dies gelang seinem Kollegen Jian Zhou, einem chinesischen Molekularvirologen, den er während eines Sabbatical in England kennen gelernt hatte und der mit ihm nach Australien zurückkehrte. Die Synthese des Virus hatte auch die Synthese von dessen äusserer Kapsel nötig gemacht. Jian Zhou und Ian Frazer klonten dazu die Gene der zwei hauptsächlichen Capsid-Proteine von HPV (L1 und L2) aus klinischen Tumorproben und exprimierten sie mittels dem Vaccinia-Virus in Epithelzellen. Mit einer primitiven Form komparativer Genomik gelang es, den korrekten Ausgangspunkt des Leseprozesses der Expression zu finden. Zu ihrer Überraschung stellten sie fest, dass diese synthetische äussere Hülle des Virus sich spontan zu virusähnlichen Partikeln faltete – immunologisch mit dem Virus identisch, aber ohne dessen gefährliche Gensubstanz. Damit war die Möglichkeit gegeben, mit den Partikeln allein einen präventiv wirkenden Impfstoff zu entwickeln. Die Partikel erwiesen sich als ausgezeichnete Immunogene und bilden die Grundlage der Impfstoffe, die heute, nach ausgedehnten Tests, in weiten Teilen der Welt praktisch eingesetzt werden und von denen man erwartet, dass sie schlussendlich dazu beitragen werden, weltweit jährlich bis zu 250 000 Todesfälle zu vermeiden.
Mit seinen Leistungen hat Ian Frazer die Grundlage zu einem wesentlichen Fortschritt im Kampf gegen den Krebs gelegt und einen grossen und nachhaltigen Beitrag zur Präventivmedizin geleistet. Heute arbeitet er daran, die derzeit verfügbaren präventiven und künftige therapeutische HPV-Impfstoffe für Menschen aller Länder zugänglich und erschwinglich zu machen.

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