René Couteaux
Frankreich
Balzan Preis 1994 für Biologie (Zellenstruktur)
René Couteaux hat sich durch seine herausragenden strukturellen und ultrastrukturellen Studien über die neuromuskulären Verbindungen und anderen Synapsen im Nervensystem ausgezeichnet. Sein Werk hat einen ausserordentlich wichtigen Einfluss auf alle jene Forscher ausgeübt, welche den Mechanismus chemischer Übertragung in Synapsen untersuchen.

René Couteaux (*1909 - †1999) begann seine Forschungsarbeiten vor mehr als 50 Jahren, in einer Zeit als das Elektronenmikroskop noch nicht zur Verfügung stand. Durch sein ununterbrochen fortgesetztes Werk, das sich durch höchste Qualität und Originalität auszeichnet, erwarb er sich eine führende Position auf dem Gebiet der neuromuskulären Struktur und der synaptischen Struktur allgemein. Ausserdem hat er eine wichtige, aktive Schule gegründet und wurde er verehrter Mentor einer ganzen, neuen Generation von französischen Neurobiologen. René Couteaux wird nicht nur wegen seiner grossen wissenschaftlichen Leistungen bewundert, sondern auch als Persönlichkeit von grosser Weisheit und von Grosszügigkeit gegenüber seinen jüngeren Kollegen.

René Couteaux, Doktor der Medizin und der Naturwissenschaften, wurde am 23. Juni 1909 in Saint Amand-les-Eaux, Frankreich, geboren. Er ist Mitglied des Institut de France (Académie des Sciences), der Academia Europaea und Ehrendoktor der Université Pierre et Marie Curie, Paris, wo er seine Forschung in zellulärer Biologie des Nervensystems und des Skelettmuskels weiterführt.
Nachdem er ein Jahr als Royal Society Visiting Professor am University College London verbracht hatte, wurde er 1962 zum Inhaber des Lehrstuhls für Cytologie der Faculté des Sciences de Paris ernannt und im Jahr 1967 erfolgte seine Ernennung zum Direktor des Laboratoire de Microscopie électronique appliquée an der Biologischen Abteilung des CNRS.

Die wichtigsten Beitrage von René Couteaux begannen mit der Beobachtung, dass während gewisser Stadien der Embryonalentwicklung der neurohumoralen Verbindungen zwei sehr verschiedene Teile beobachtet werden können: der eine besteht aus den terminalen Asten des motorischen Axons, der andere aus dem kernhaltigen Sarcoplasma, welches die Aste umgibt. Auf Grund dieser Evidenz für eine Diskontinuität zwischen motorischem Axon und Muskelfasern - in einer Zeit in der noch Viele von der Kontinuität zwischen diesen Teilen überzeugt waren - machte René Couteaux eine entscheidende Demonstration. Mit Hilfe des Vitalfarbstoffes Janus Grün zeigte er, dass die Membran der Muskelendplatte eine hohe Differenzierung aufweist. Sie zeigt Furchen in denen die terminalen Verzweigungen des Axons liegen, sowie zahlreiche Lamellen, die von ihrer inneren Oberfläche entspringen. In ultrastrukturellen Studien konnte René Couteaux später beweisen, dass diese Lamellen Falten der Membran sind. Er nannte diese Strukturen den “subneuralen Apparat”, heute als “Couteaux’s subneuraler Apparat” bekannt.
Nachdem René Couteaux in Zusammenarbeit mit J. Taxi die histochemische Methode von Koelle und Friedenwald zum Nachweis der Cholinesterase - des Enzyms, welches Acetylcholin hydrolisiert — verbessert hatte, erhielt er Bilder des subneuralen Apparates, die identisch mit denjenigen waren, welche die Janus Grün-Methode erzeugte. Diese Beobachtung war von grosser Wichtigkeit für das Verständnis der Funktion der Synapsen. Sie zeigte, dass Cholinesterase - welche den aus axonalen Nervenendigungen freigesetzten Mediator Acetylcholin inaktiviert, nachdem dieser die postsynaptische Membran erregt hat - genau im subneuralen Apparat lokalisiert ist.

Weitere, in Zusammenarbeit mit M. Pécot ausgeführte Studien ari motorischen Nervenendigungen enthüllten das Vorhandensein von parallelen Banden, die aus einer grossen Zahl von Bläschen (Vesikeln) bestehen. Diese Bande, die gegenüber den synaptischen Falten angeordnet sind, wurden “aktive Bande” (“active bands”) genannt, teilweise darum weil festgestellt werden konnte, dass einige der Bitischen sich in die synaptische Spalte öffneten. Dies war Evidenz für die Existenz des Phänomens der Exozytose, die als verantwortlich für die “Miniatur”-Endplattenpotentiale (“miniature endplate potentials”) angenommen wurde. Ein anderer wichtiger Befund, welcher die vesikuläre Hypothese der Acetylcholin-Freisetzung unterstützte, war die Demonstration von synaptischen Riesenbläschen (giant vesicles) unter experimentellen Bedingungen, die denjenigen entsprachen unter denen auch Riesen-Miniaturpotentiale aufgezeichnet wurden.
Neben den klassischen Studien über die neuromuskuläre Übertragung sind weitere Beiträge von René Couteaux zu erwähnen, z.B. diejenigen über die Verbindung von Muskelfaser-Endigungen und Sehnenfasern sowie die gegenwärtigen, hoch aktuellen Studien über die Expression des Isomyosins während der Histogenese und Neo-Histogenese in verschiedenen Muskeltypen.

Die Dankbarkeit und Zuneigung vieler Forscher mehrerer Generationen gegenüber “Monsieur Couteaux” entspringen nicht nur der Autorität, mit welcher er wichtige Verantwortung in der Forschungsadministration ausübte (er war z.B. während vieler Jahre Präsident der Commission de Biologie Cellulaire des CNRS), sondern vielmehr dem persönlichen Interesse, das er immer für die Arbeiten Anderer zeigte. In grosszügiger Weise liess er ihnen nicht nur seine ausgedehnte Erfahrung zugute kommen, sondern unterstützte sie auch mit seinem scharfen und kritischen Geist, der immer gesteuert war durch ein ausgewogenes Urteilsvermögen. Viele Schiller, die mit René Couteaux arbeiteten, sind selbst eminente Biologen geworden, die das Studium des Nervensystems, der Muskeln und der Interaktionen zwischen Nerv und Muskel unter normalen und pathologischen Bedingungen weiterführen.
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