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Italien

Giovanni Macchia

Balzan Preis 1992 für Literaturgeschichte und –kritik

Für sein literaturgeschichtliches und literaturkritisches Lebenswerk, in dem er strenge Wissenschaft mit feiner psychologischer Einfühlung und stilistischer Kunst verbindet. In seinen Arbeiten zur französischen, italienischen und vergleichenden Literaturgeschichte sowie zur Theater- und Kunstgeschichte beweist er, wie erfolgreich ein von Intelligenz und Bildung getragenes Mitgefühl den Zwiespalt der menschlichen Seele zwischen Glück und Zweifel zu erhellen vermag.

Geboren am 18. November 1912 in Trani, studierte Giovanni Macchia (1912 – 2001) an der philosophischen Fakultät der Universität Rom. Sein lebhaftes Interesse für Literaturkritik veranlasste ihn, seine Dissertation über Baudelaire critico zu schreiben. Sie wurde 1939 veröffentlicht und zeigte Baudelaire in einem neuen Licht. Das Buch wurde 1988 mit einem Vorwort von Gianfranco Contini neu aufgelegt. Das Werk Baudelaires in dem sich die vielfältigen Formen der modernen Literatur und Malerei ankünden, ist einer der Schwerpunkte von Macchias Lebenswerk geblieben. Er widmete ihm ein weiteres Werk Baudelaire e la poetica della malinconia (1946, 1975, 1992), untersuchte eines seiner Theaterszeriarien und veröffentlichte eine kritische Ausgabe der Fleurs du Mal. Baudelaire führte ihn zu Poe, Delacroix, Wagner.

Pisa, Catania und Rom waren die Stationen seiner akademischen Lehrtätigkeit. Dabei bildete er Generationen von Studenten aus, von denen heute manche die französische Literaturgeschichte an italienischen Universitäten vertreten. Macchias Interesse für die Dichtungen der letzten hundert Jahre verband sich mit einem ebenso lebendigen Interesse für die Moralisten und politischen Autoren der Klassik. Dabei zeigte er die zahlreichen Berührungspunkte zwischen den grossen italienischen Schriftsteilern und ihren französischen Nachfolgern. Wichtig war ihm auch die Bedeutung, die bestimmte Gefühlslagen über die Jahrhunderte hinweg fur die Literatur hatten: das Bewusstsein der Stinde, die Melancholie, das Lachen, die Heimlichkeit. Als hervorragender Kenner der Melancholie konnte er den literarischen Gattungen der Verhiihnung gerecht werden. Da er im Theater den Schauplatz der Leidenschaften sah, widmete er einen grossen Teil seiner Bemühungen Institutionen und Veröffentlichungen, die sich mit der Geschichte der Oper und des Schauspiels beschtiftigen. In seinen Veröffentlichungen nehmen Arbeiten zu den grossen Dramatikern – Molière, Pirandello, Artaud – einen bedeutenden Platz ein. Seine Untersuchung über Watteau in I fantasmi dell’opera (1975) zeigt vorbildlich, welchen Gewinn die Literaturkritik aus dem Vergleich mit andem Künsten ziehen kann. Wer sich heute mit der Figur des Don Giovanni beschäftigt, komrnt nicht um die grossartigen Untersuchungen Giovanni Macchias zu den verschiedenen Libretti und Commedia-Texten herum, die dem Werk Mozarts und Da Pontes vorangingen. Macchia hat selbst Theaterblut in seinen Adern: Auf verschiedenen Bühnen Europas hat man mit Erfolg die Dialoge seines Principe di Patagonia und seiner Fille de Molière zur Aufführung gebracht.

Die menschliche Komödie um Proust herum hat Macchia sehr interessiert, doch beschhftigten ihn vor allem die Probleme eines Werkes, das unvollendet geblieben ist und dessen Begleiter die Krankheit und “der Erigel der Nacht” waren. Macchias Methode, die man hier besonders schön beobachten kann, besteht darin, zu verstehen, was die Entstehung eines literarischen Werks ermtiglicht oder verunmtiglicht. Diese Methode berücksichtigt biographische und literatursoziologische Gesichtspunkte, ohne sie zu verabsolutieren. Alle Arbeiten Macchias bestechen durch ihre Komposition und ihre Ausgewogenheit in einem dem Thema angemessenen Rahmen, wie auch durch die Verständlichkeit ihrer Argumentation. Doch lassen sie immer Platz für die Schattenseite, das Ungeheure, den Wahn (wie in ll Principe di Patagonia). Wie Italo Calvino bemerkte, ist der Gedanke an das Unheil immer gegenwärtig in Büchern wie La caduta della luna oder Le rovine di Parigi. Wer die Bedeutung der Unvernunft und der Finstermis in der Literatur und der Geschichte erkannt hat, kann auch der Aufklärung und dem Licht voll gerecht werden, wie dies in einem der letzten Werke Macchias, dem Elogio della luce (1990) geschieht.

Giovanni Macchia, Socio Nazionale der Accademia dei Lincei, hat für seine Werke viel Preise erhalten. In Italien war er unter andern Preisträger des Premio Marzotto, des Premio Feltrinelli, des Premio Mondello und des Premio Prato. In Frankreich erhielt er 1988 den Prix Médicis Essais für sein Paris en Ruines (Vorwort von Italo Calvino).

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