Claude Lorius

Frankreich

Balzan Preis 2001 für Klimatologie

Porträt


Claude Lorius wurde 1932 in Besançon (Frankreich) geboren und nahm in den letzten 40 Jahren an zahlreichen Expeditionen in die Antarktis teil, wobei er insgesamt mehr als sechs Jahre auf diesem Kontinent verbrachte. Lorius leitete als Forscher das Laboratorium für Glaziologie und Geophysik der Umwelt am französischen nationalen Forschungszentrum CNRS (Centre Nationale de la Recherche Scientifique). Heute ist er dessen Direktor. Lorius ist zudem Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Vorsitzender des 1992 in Frankreich gegründeten Polarinstituts. Zu seinen grössten Verdiensten zählt die Entdeckung von seit Jahrtausenden im Eis eingeschlossenen Luftblasen. Dank diesen können grundlegende Informationen über das damalige Klima gewonnen und Rückschlüsse auf heutige Verhältnisse gezogen werden.

Claude Lorius vollbrachte seine erste Mission im Jahre 1957, als er den Winter in der Antarktis auf der Station Charot verbrachte. Erinnerungswürdig ist auch sein Aufenthalt auf der Station Vostok im Jahre 1982, wo es ihm im Rahmen einer russisch-französischen Zusammenarbeit gelang, russische, französische und amerikanische Spezialisten gemeinsam forschen zu lassen. Die Temperatur erreichte damals einen Rekordwert von minus 89,3 °C. Rund 2100 Meter Eis wurden damals durchbohrt, die umgerechnet rund 140 000 Jahren Erdgeschichte entsprechen. Im Jahr 1999 erreichten die Bohrungen die Tiefe von 3623 Metern (420 000 Jahre). Daraus lassen sich vier Abfolgen von Warm- und Eiszeiten bestimmen, die rund 18 000, 135 000, 245 000 und 335 000 Jahre zurückreichen. Die wichtigste Rolle für das Verständnis der Eiszeitmechanismen dürften die in den Eismassen enthaltenen Wassermoleküle spielen. In ihnen sind Sauerstoffisotope enthalten, an denen sich frühere Temperaturschwankungen ablesen lassen. Dieses Forschungsergebnis unterstützt die Annahme, dass Variationen der Erdbahnparameter die Ursache für eine variable Intensität der Sonneneinstrahlung sind, die ihrerseits natürliche, klimatische Veränderungen verursachen oder auslösen können. Ebenso wichtig ist aber auch - wenn man die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre der jüngsten Vergangenheit rekonstruiert - die Entdeckung der engen Beziehung zwischen Klima, Treibhauseffekt und dessen möglicher Verursachung durch die Aktivitäten des Menschen. Claude Lorius war einer der ersten Wissenschaftler, die auf diese Gefahr hingewiesen und vor der aktuellen Erwärmung des Planeten gewarnt haben. Diese Entdeckung ist ebenfalls zentral für seine Nominierung für den Balzan-Preis 2001. So begründete das Gremium seinen Entschluss wie folgt: "Für seine herausragenden Aktivitäten und seine innovativen Ergebnisse auf dem Gebiet der polaren Paläoklimatologie."

 

In der Vergangenheit verliehene Balzan Preise für Klimatologie
Die Dynamik des Klimas und seine jahrtausendealte Geschichte stehen nicht nur im ewigen Eis geschrieben. Auch die Ozeane sind wertvolle Quellen, die helfen, das Klima der Erde kennen zu lernen. Die in der Vergangenheit verliehenen Balzan-Preise für Klimatologie wurden hauptsächlich für ozeanographische Forschungsarbeiten vergeben. Im Jahre 1986 wurde das Werk von Roger Revelle preisgekrönt. 1993 ging der Preis an Wolfgang H. Berger für seine auf paläontologischer Basis beruhenden Studien im Bereich der Meereskunde, und 1998 wurde der amerikanische Geochemiker Harmon Craig ausgezeichnet. 1996 ging der Balzan-Preis für Klimatologie an den norwegischen Meteorologen Arnt Eliassen.