Michael Grätzel

Schweiz/Deutschland

Balzan Preis 2009 für Materialwissenschaften

Verleihung der Balzan Preise 2009
Bern, Bundeshaus, 20. November 2009


Sehr geehrte Frau Präsidentin des Nationalrates,
sehr geehrte Frau Bundesrätin,
sehr geehrte Präsidenten der Balzan Stiftung,
sehr geehrte Mitglieder des Balzan Preiskomitees,
werte Gäste,
meine Damen und Herren,

Die Verleihung des Balzan Preises hier im Bundeshaus erfüllt mich mit grosser Freude und Dankbarkeit. Es ist für mich eine grosse Ehre, einer der vier diesjährigen Laureaten dieses hoch angesehenen Preises zu sein und die Preisurkunde heute von Frau Bundesrätin Doris Leuthard zu empfangen.

Ich möchte an erster Stelle der Balzan Preisstiftung herzlich danken für diese hohe Anerkennung und die ausserordentlich grosszügige Belohnung meiner Forschungsarbeiten. Der Balzan Preis belohnt unsere Forschungsarbeiten im Bereich der photovoltaischen solaren Energieumwandlung und wird der Entwicklung der Farbstoffsolarzelle weltweit zugute kommen.

Dank gilt an dieser Stelle vor allem auch meinen Mitarbeitern, die durch ihren unermüdlichen Einsatz wesentlich zum Erfolg unserer Forschungsarbeiten beigetragen haben. Weiterhin hat die jahrelange Förderung meiner Forschungstätigkeit vor allem durch die Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne und den Schweizer Nationalfonds neben anderen inländischen und ausländischen öffentlichen und industriellen Institutionen eine ganz entscheidende Rolle für den Fortschritt unserer Arbeiten gespielt. Dafür möchte ich allen unseren Sponsoren meinen herzlichen Dank aussprechen. Nicht zuletzt möchte ich meiner Familie, insbesondere meiner Frau Carole und meinen Kindern Chauncey, Amie Lynn und Liliane, für ihre Geduld und Unterstützung danken.

Der Balzan Preis belohnt meine Erfindung der Farbstoffsolarzelle. Durch jahrelange Forschungsarbeiten gelang es zum ersten Mal, eine mit hoher Effizienz arbeitende photovoltaische Zelle zu entwickeln, welche das Prinzip der Photosynthese nachahmt. Wie von den Chlorophyllmolekülen in grünen Pflanzen und Algen wird das Sonnenlicht in unserer Zelle von einem Farbstoffmolekül absorbiert. Die aus dem Licht gewonnene Energie wird vom Farbstoff zur Erzeugung von elektrischen Ladungen ausgenutzt, welche den elektrischen Strom der Zelle liefern. Der Durchbruch gelang durch die Einführung von nanokristallinen Titandioxidschichten, welche den Farbstoff tragen und gleichzeitig die von ihm erzeugten Elektronen ableiten. Durch die sehr hohe innere Oberfläche der Schichten wird ein sehr effizientes Einfangen des Sonnenlichts und damit ein hoher Wirkungsgrad der Solarzelle ermöglicht. Auf Grund ihrer besonderen optoelektronischen Eigenschaften eignet sich die Farbstoffzelle für den Einsatz in weiten Gebieten der photovoltaischen Energieerzeugung. Mit dieser Technologie werden zum Beispiel bunte durchsichtige Glasscheiben hergestellt, welche unter Belichtung elektrischen Strom liefern. Diese werden in Strom spendenden Fenstern und Glasfassaden zur Anwendung kommen. Ein weiterer Vorzug der Farbstoffsolarzellen ist die einfache Realisierung von leichten und flexiblen Modulen, welche als tragbare Energielieferanten für elektronische Geräte und zur Aufladung von Batterien für elektrische Fahrzeuge in Frage kommen.

Im Hinblick auf die zahlreichen denkbaren Anwendungen, die Umweltverträglichkeit ebenso wie die einfache Herstellung und die geringen Kosten sollte die von unserer Forschungsgruppe entwickelte nanokristalline Farbstoffzelle den Weg für eine breitere Nutzung regenerierbarer Energiequellen ebnen helfen und so zur Entwicklung einer lebenswerten Zukunft für die Menschheit beitragen.

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