Nation Sudan Jahr 2026
Emergency Response Rooms (ERR)
Balzanpreis 2026 für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern
Für die außergewöhnliche Rolle dieses Netzwerkes bei der Gewährleistung von Hilfe vor Ort, Solidarität und Hoffnung für die vom Bürgerkrieg im Sudan schwer getroffenen Gemeinschaften. Dank eines dichten Netzwerks von Nothilfezentren (ERR Emergency Response Rooms) und lokalen Koordinierungsgre-mien (LCC Local Coordination Councils), das aus zivilem Engagement und Beteiligung von der Basis her entstanden ist, gelang es der Bewegung, die Lücke zu schließen, die durch den Zusammenbruch der Institutionen und den Zugangsschwierigkeiten zur internationalen Hilfe entstanden ist. Der Beitrag des Balzanpreises soll insbesondere dazu verwendet werden, die Maßnahmen im Bereich der psychischen Gesundheit zu stärken, welche in einem von Ge-walt, Vertreibungen und gravierender humanitären Notlage geprägten Kontext von herausragender Bedeutung sind.
Die Emergency Response Rooms (ERR) sind ein umfangreiches Netzwerk der gegenseitigen Hilfe, das aus der Mobilisierung der sudanesischen Zivilge-sellschaft hervorgegangen ist und heute an vorderster Front im Einsatz steht, um die schwerwiegende humanitäre Krise zu bewältigen, die durch den im April 2023 ausgebrochenen Krieg zwischen den sudanesischen Armed Forces (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) ausgelöst wurde. In einem Kon-text, der durch den Zusammenbruch vieler grundlegender Versorgungsdiens-te, die Vertreibung von Millionen von Menschen und durch die erschwerten Zugangsbedingungen zu internationalen Organisationen geprägt ist, sind die ERR für zahlreiche Gemeinschaften zu einem unentbehrlichen Ankerpunkt geworden.
Ihre Besonderheit liegt in ihrem gemeinschaftlichen, ehrenamtlichen und de-zentralen Charakter. Durch Hunderte von Basisstrukturen und Tausende von Freiwilligen vor Ort sind es die vom Krieg betroffenen Gemeinschaften selbst, die die dringendsten Bedürfnisse ermitteln, die Hilfsmaßnahmen organisieren und die verfügbaren Ressourcen mobilisieren. Dieses Modell der Partizipation von unten ermöglicht es, auch Gebiete zu erreichen, in denen die traditionelle humanitäre Hilfe auf starke Einschränkungen stößt, wobei die Bedürfnisse und das Wissen der lokalen Bevölkerung stets im Mittelpunkt stehen.
Die ERR arbeiten über ein Koordinationssystem zwischen lokalen Akteu-ren, das den Austausch von Informationen und Ressourcen ermöglicht, Prio-ritäten festlegt und die Maßnahmen auf die Gebiete ausrichtet, in denen der Bedarf am größten ist.
Neben der Soforthilfe wenden die ERR dem Wiederaufbau des sozialen Gefüges und der Resilienz der Gemeinschaften besondere Aufmerksamkeit zu. In einem Land, das zutiefst von Gewalt, Vertreibung und Verlust geprägt ist, haben sie zudem psychosoziale Unterstützungsmaßnahmen für die beson-ders gefährdeten Menschen entwickelt. Durch die Ausbildung lokaler Fach-kräfte, gegenseitige Unterstützung unter Gleichaltrigen und Gemeinschafts-initiativen, die auch Sport, Kunst und Musik einbeziehen, versuchen sie, sichere Nothilfezentren zu schaffen, der Isolation entgegenzuwirken und gemeinsame Wege zur Traumaverarbeitung zu fördern.
Die Arbeit der ERR findet unter extrem schwierigen Bedingungen statt. Die Freiwilligen sind in Konfliktgebieten im Einsatz, setzen sich persönlichen Risi-ken aus und wahren ihre Neutralität gegenüber den Konfliktparteien – eine wesent-liche Voraussetzung, um das Vertrauen der Gemeinschaften zu bewahren und weiterhin Hilfe leisten zu können. Die Besonderheit der ERR besteht daher darin, humanitäre Hilfe, Solidarität und gemeinschaftliches Engagement mit-einander zu verbinden.
Die Erfahrung der ERR zeigt, dass es selbst mitten im Krieg möglich ist, soziale Beziehungen zu pflegen, Formen kollektiver Verantwortung zu schaffen und die Fähigkeit der Gemeinschaften zu stärken, um ihre Zukunft selbst zu gestalten. In diesem Sinne stellen die ERR ein konkretes Beispiel für Friedensarbeit von unten dar: einen Frieden, der nicht nur mit dem Ende der Gewalt gleichzusetzen ist, sondern der sich in der Fürsorge für die Menschen, in der Solidarität, in der Teilhabe und im täglichen Wiederaufbau des Vertrauens manifestiert.