Paul Reuter
Frankreich
Balzan Preis 1981 für Internationales öffentliches Recht
Als weltweit angesehener Jurist, Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Werke und Experte internationaler Verhandlungen hat er bei der Ausarbeitung wichtiger internationaler Verträge einen besonderen und entscheidenden Beitrag geleistet. Sein Denken ist für Generationen von Studenten jeglicher Nationalität, die durch seinen Unterricht geformt wurden, richtungsweisend geworden.

Paul Reuter (*1911 - †1990), Professor emeritus der Universität für Rechts-, Wirtschaftsund Sozialwissenschaften in Paris, hat sein ganzes Leben als Lehrer und Forscher wie auch den grössten Teil seines tätigen Lebens dem internationalen Recht gewidmet.

Der bedeutende Beitrag, den er der Rechtswissenschaft geleistet hat, zeichnet sich aus durch eine aussergewöhnhiche Gedankenschärfe, ein starkes Sensorium für die Notwendigkeit eines engen Zusammenhangs zwischen Rechtsentwicklung und Ethik in den internationalen Beziehungen, eine tiefe Einsicht in die Realitäten und die Hemmnisse der gegenwärtigen internationalen Beziehungen, verbunden mit der Ueberzeugung, dass das Recht nur begriffen, analysiert und orientiert werden kann, wenn es in den geschichtlichen Zusammenhang — mit allen politischen, wirtschaftlichen, soziologischen, ideologischen, psychologischen und allgemein menschlichen Elementen — seiner Entstehung, Entwicklung und Anwendung gesteilt wird. Seme Arbeiten, in denen sich analytische Tiefe mit reicher Einbildungskraft verbinden, sind allgemein anerkannte Standardwerke geworden.

Durch seinen Unterricht wie mit seinen Schriften hat Professor Reuter zur Ausbildung ganzer Generationen von Studenten beigetragen, von denen eine grosse Anzahl nunmehr selbst Hochschullehrer, aber auch Diplomaten, Politiker und Wirtschaftsführer geworden sind und ihm alle eine grosse Anhänglichkeit bewahren. Unter seiner Leitung sind zahlreiche Dissertationen ersten Ranges entstanden.

Auf einem Gebiet, wo keine Grenzen zwischen theoretischer und angewandter Forschung gezogen werden können und wo die Praxis oft zur Entwicklung des positiven Rechts beiträgt, stets aber Kommentierung und Unterricht bereichert, hat Professor Reuter einen unvergleichlichen Erfahrungsschatz gesammelt.

Einige Beispiele seiner vielseitigen Tätigkeit: seine Beteiligung an einer Reihe internationaler Organe, darunter vor allem an der Kommission für internationales Recht der Vereinten Nationen und am Organ zur Kontrolle der Rauschgifte, welches lange von ihm präsidiert wurde; seine Teilnahme an zahlreichen diplomatischen Versammlungen, namentlich an der Vertragsrechtkonferenz der Vereinten Nationen, sowie seine Mitwirkung an komplizierten Verhandlungen wie jenen, weiche zum Vertrag der Europäischen Gemeinschaften Ober Kohle und Stahl führten und wo originelle und neuartige Lösungen entwickelt wurden; seine Tätigkeit als Berater bei der Rechtsabteilung des französischen Aussenministeriums, später der Direktion der Rechtsabteilung desselben Ministeriums; seine Rolle als Berater der französischen Regierung und verschiedener ausländischer Regierungen bei Streitfällen, welche vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag oder vor internationale Schiedsgerichte gebracht wurden; seine Funktionen als Schiedsrichter oder als Präsident von Schiedsgerichten in mehreren internationalen Streitfällen zwischen Staaten oder zwischen Staaten und ausländischen Unternehmungen.

Durch alle seine Aktivitäten und Arbeiten ist Professor Reuter heute eine der weltweit hervorragendsten Persönlichkeiten des internationalen Rechts geworden und wird als solche auch von seinen Fachkollegen anerkannt. Die Bedeutung seines wissenschaftlichen Werkes wie sein persönlicher Ruf qualifizieren ihn mehr als irgend jemand anderen für den Balzan-Preis auf dem Gebiete des internationalen öffentlichen Rechts.
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